Mobiles demokratisches Empowerment für den ländlichen Raum

MoDem stärkt das zivilgesellschaftliche Engagement und demokratische Strukturen in ländlichen strukturschwachen Räumen. In MoDem suchen wir die Menschen vor Ort auf, in den Landkreisen Vorpommern-Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (Sachsen). Wir möchten wissen, was sie in ihrem Ort und ihrer Region bewegt, was sie stört, was sie gerne ändern würden und wofür sie sich einsetzen möchten. Gemeinsam setzen wir Ideen und Projekte lokal und regional um. Dazu bringen wir Know How mit, stoßen Projekte an und begleiten die Entwicklung. Ziel ist ein nachhaltiger Strukturaufbau – denn nur so kann sich zivilgesellschaftliches Engagement dauerhaft entfalten. Zivilgesellschaftliches, demokratisches Engagement wird gestärkt und damit auch ein Gegengewicht zu antidemokratischen Entwicklungen im politischen Raum gesetzt.

Ländliche Räume sind gegenüber urbanen Zentren strukturell schon immer benachteiligt gewesen. In den ländlichen Räumen in den sog. neuen Ländern nach der deutschen Einigung hat sich dies noch einmal massiv verstärkt. Deindustrialisierung, Landflucht und demografische Entwicklungen haben diese Räume nicht nur entvölkert, sie haben auch zu einem rasanten Abbau von Infrastrukturen geführt.

Soziale Einrichtungen, kulturelle und politische Vereine, Gewerkschaften, Bildungsorganisationen und auch kirchliche Einrichtungen sind  verschwunden. Diese haben jedoch auch Zugehörigkeit vermittelt und die Menschen „zusammengehalten“. Das fehlt nun vielerorts. Neue Strukturen und Institutionen sind nicht nachgekommen, zukunftsfähige Arbeitsgelegenheiten sind rar.

Viele Menschen fühlen sich „abgehängt“ und haben das Gefühl, insbesondere von Politik und Verwaltung nicht wahrgenommen zu werden. Aktuell kommt hinzu, dass die wachsende Zahl Geflüchteter von Teilen der Gesellschaft als Bedrohung wahrgenommen wird. Unzufriedenheit, gerade auch mit den demokratischen Institutionen und Parteien, befördert rechtspopulistische Tendenzen in besonders hohem Maße. Ein Beispiel dafür sind die Märzwahlen 2016 in Sachsen-Anhalt, wo die AfD mit knapp über 24 Prozent zur zweitstärksten politische Kraft im Lande wurde. Rechtsradikalismus wird zu einer realen Gefahr, besonders dort, wo antidemokratische Kräfte verstärkt in Strukturen vordringen.

Grundfrage des Projekts MoDem ist es daher, wie es unter diesen Bedingungen gelingen kann, demokratische Strukturen und vorhandene zivilgesellschaftlicher Ansätze zu unterstützen, zu aktivieren oder neu aufzubauen.

Das Ehrenamt hatte in der ehemaligen DDR einen wichtigen gesellschaftlichen Stellenwert und gehörte zum Alltag. Gleichwohl gibt es in der zivilgesellschaftlichen Praxis in den ostdeutschen Bundesländern 27 Jahre nach dem Mauerfall noch unterschiedliche Definitionen von bürgernahen selbstorganisierten Organisationen. Dies prägt auch eine unterschiedliche Praxis von z.B. Ehrenamt, Gemeinwesen, politischer Bildung und Vereinswesen.

Als Projekt der politischen Bildung wird MoDem in Regionen umgesetzt, die besonders stark von Demokratieverweigerung, Fremdenfeindlichkeit und rechtsextremen Tendenzen betroffen sind. Hier werden  neue Ansätze entworfen und erprobt, um eine "Gegenkultur" zu entwickeln. Mit MoDem möchten wir eine wiederbelebte, vielfältige und anregungsreiche Zivilgesellschaft fördern und neu erschaffen.

 

MoDem hat die folgenden Ziele:

  • Mit aufsuchender politischer Bildungsarbeit und dem Ansatz des Empowerment wird das zivilgesellschaftliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger nachhaltig belebt.
  • Verloren - oder verschüttgegangene lokale und regionale Kompetenzen und Kräfte werden aktiviert und gestärkt.
  • Aktuelle Verständnisse von Engagement und Ehrenamt, Geschichte, Kultur und Identität werden mit zukunftsorientierten Themen und Strukturen zusammengebracht.
  • Es werden Ansätze entwickelt, die gerade in Regionen, die von Demokratieverweigerung, Fremdenfeindlichkeit und rechtsextremen Tendenzen geprägt sind, eine "Gegenkultur" bieten.
  • MoDem trägt zur Entwicklung nachhaltiger Strukturen bei, auf denen sich auch in Zukunft zivilgesellschaftliches Engagement entfalten kann.

 

Die Empowerment- Strategie wird auch Aspekte zukunftsfähiger Daseinsvorsorge und die Anbahnung beruflicher Orientierungen mit einbeziehen.  Die beteiligten Landkreise in MoDem sollen angeregt werden, Freiräume und Chancen für Innovationen zu nutzen.  Denn u.a. die Verdichtung der Städte mit höheren Mieten und Grundstückspreisen macht das Landleben wieder attraktiver. Auch die Rückbesinnung auf traditionelle Ressourcen und die Nutzung digitaler Technologien bieten neue Optionen.

Ziel der Arbeit von MoDem ist es, neue Ansätze mit der Idee eines demokratischen Gemeinwesen und einem  zivilgesellschaftlichen Anspruch auf der Höhe der Zeit zu verbinden.

In den beteiligten Landkreisen kooperieren die ARBEIT UND LEBEN Organisationen mit verschiedenen Partnern vor Ort.

Die beiden ausgewählten Landkreise weisen folgende Gemeinsamkeiten auf:

  • Strukturentwicklungsprobleme
  • Defizitäre Daseinsvorsorge be- bzw. verhindert  bürgerschaftliches Engagement
  • Problematische Infrastruktur bezogen auf Bildung und Gemeinwesen Aktivitäten in den Landkreisen
  •  Mangelnde Arbeitsgelegenheiten
  • Entwicklungspotenzial zur Rolle und Definition der örtlichen Gemeinschaften („zivilgesellschaftliche Standards“)
  • Deutliche Aktivitäten demokratiefeindlicher/rechtspopulistischer Gruppierungen und Parteien in den Landkreisen
  • Hoher Anteil an Nichtwählern, Überalterung durch Wegzug jüngerer Generation, kaum Nachzug
  • Grenznahe Gebiete (Grenze zu Polen / Grenze zu Tschechien)
  • Hoher Anteil an Einrichtungen/Beschäftigten der NVA/Bundesweh

Daher ist der zentrale Ansatz, mit mobiler aufsuchender Arbeit mit den Menschen und nah an ihren Anliegen Initiative und Engagement zu entwickeln. Die Probleme des Strukturwandels und die politische Ausgangssituation, die das Alltagsleben prägen, bilden dabei den Bezugsrahmen.

MoDem möchte vor allem noch engagierte Akteurinnen und Akteure aus zivilgesellschaftlichen Initiativen, staatlichen und regionalen Verwaltungen und Behörden, bzw. Wirtschaftsunternehmen erreichen.

Diese Gruppen werden in ihrer Selbstwahrnehmung und Selbstwirksamkeit gestärkt – denn das ist die Voraussetzung für den Erhalt und Ausbau lokaler zivilgesellschaftlicher Strukturen. In beiden Regionen gibt es einen großen Anteil von Bürgerinnen und Bürgern über 60 Jahre, die auch in Initiativen oder der Verwaltung stark vertreten sind. Diese Gruppe spielt eine wichtige Rolle: sie sind mit der Identität und Kultur ihres Ortes und ihrer Region verwurzelt, treten für eine gelebte Regionalität mit Zukunft ein und sind durch ihre langjährige Aktivität und ihr persönliches Beispiel glaubhafte Vorbilder. Gleichzeitig soll insb. im politischen Raum ein „Generationendialog“ und die Berücksichtigung von Interessen unterschiedlicher Altersgruppen angeregt werden. Wenn ältere Menschen die politische Mehrheit bestimmen, müssen Sie umso mehr die Interessen und Teilhabe der jüngeren Generationen im Blick haben. Auch Ruheständler aus den alten Bundesländern, die sich vor Ort niedergelassen haben, werden oft mit ihren Ressourcen aktiv. Auch sie sind eine wichtige Gruppe für eine produktive Auseinandersetzung zum gelebten Gemeinwesen.

Ebenso werden Jugendliche und junge Erwachsene als potentielle Trägerinnen und Träger für den Aufbau von neuen, demokratischen Lebens- und Gemeinwesenstrukturen adressiert. Eine wichtige Rolle spielen darüber hinaus regionale Schlüsselpersonen oder auch regional bedeutsame Organisationen. Alle Gruppen und Personen, die Interesse an Engagement haben oder bereits aktiv sind, sollen beteiligt und unterstützt werden.

MoDem geht hin! Weiterbildungsträger und ihre Kooperationspartner gehen mit ihren mobilen Angeboten in die Gebiete, in denen keine Angebote mehr vorhanden sind.

Das Konzept ermöglicht es, zielgerichtet, passgenau und bedarfsorientiert mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort zu arbeiten, die in ihrem Selbstverständnis und ihrem vorhandenen Engagement die Basis für demokratisches Miteinander bieten. Dabei wird mit einem weiten Politikbegriff gearbeitet,die politische Dimension wird in den gesellschaftlichen Strukturen wahrgenommen und aufgesucht.

Mit diesem lebensweltorientierten Ansatz sollen demokratisches Denken und demokratische Strukturen wiederbelebt und praktiziert werden. Dies kann auch bspw. Dimensionen kultureller Bildung, Ansätze von Sozialarbeit oder Selbstorganisation beinhalten. Ebenso einbezogen werden Aspekte arbeitsweltorientierter Bildung. Alle Ansätze bleiben jedoch mit dem Grundanliegen politischer Bildungsarbeit und zivilgesellschaftsstärkender Entwicklungsarbeit verbunden. Demokratie soll als streitbare, friedliche, vielfältige und gemeinschaftsorientierte Lebensform und als bürgernahe Staatsform wieder erlebbar sein.

Im Landkreis „Vorpommern-Greifswald“ wird MoDem von ARBEIT UND LEBEN Mecklenburg-Vorpommern e.V. umgesetzt

Kooperationspartner: Städte- und Gemeindetag Mecklenburg-Vorpommern,  Bürgermeister Pasewalk und Kreisverwaltung

Ideelle Partner: Raiffeisenbank-Volksbank, Deutschland-Land der Ideen, DGB Vorpommern-Greifswald

Praxispartner für die Umsetzung: Kulturzentrum Schloss Bröllin, Museum Peenemünde, Willkommensinitiative Barth, AdK-Projekt Anklam, Willkommensinitiativen Torgelow und Pasewalk

Formate: Aufbau eines Projektbüros MoDem als Anlaufstelle / Anschluss / Ort der  demokratischen Kräfte , der zivilgesellschaftlichen Akteure und Akteurinnen/ Gruppen

Flying Workshops im Landkreis, Fachforen, Aufbau und Begleitung von selbstorganisierten Gruppen,

Themen: Kultur und Identität, Woher kommen wir- wohin wollen wir (generationsübergreifend, Werte fallen nicht vom Himmel!; Integration ( Stadt-Land; Ost-West; Geflüchtete- AnwohnerInnen), Daseinsvorsorge ohne Abhängigkeit – neue Formate für den ländlichen Raum; Landleben auf der Basis von Selbstorganisation; Mitmachen- Beteiligen: Demokratie als Lebensform; Konfrontation und Konflikt- Wut und Hass bieten keine Perspektive!

Im Landkreis „Sächsische Schweiz - Osterzgebirge“ wird MoDem von ARBEIT UND LEBEN Sachsen e.V. umgesetzt

Kooperationspartner: Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, Sächsischer Städte- und Gemeindetag, Herbert Wehner Bildungswerk

Ideelle Partner: Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Sächsisches Staatsministerium für  Soziales und Verbraucherschutz (Geschäftsbereich der Staatsministerin für Gleichstellung und Integration), DGB Region Dresden; DGB Region Elbtal, DGB Bezirk Sachsen, Volkshochschule Sächsische Schweiz - Osterzgebirge

Praxispartner für die Umsetzung: Sportvereine, freiwillige Feuerwehr, Geschichts- und Heimatvereine, Kindertagesstätten, Jugendclubs, Polizei, regionale Unternehmen

Orte: Pirna, Freital, Heidenau

Formate: Aufbau eines Projektbüros MoDem als Anlaufstelle / Anschluss / Ort der demokratischen Kräfte, der zivilgesellschaftlichen Akteure und Akteurinnen/ Gruppen

Flying Workshops im Landkreis, Fachforen, Aufbau und Begleitung von selbstorganisierten Gruppen

Präsenztage in Gemeinden zum Zuhören und Bedarfe ermitteln, Aktionstage und Events mit Begegnungscharakter  in Gemeinden (z.B. Tage der Ausbildung, um über Arbeit ins Gespräch zu kommen; interkulturelle Kinder- und Familienfeste, um über Zuwanderung ins Gespräch zu kommen), Kleinprojekte ( Wettbewerbe, thematische Ausstellungen, Geschichtsforen); Filmabende

Themen: Arbeit und Ausbildung, Heimat, Empfundener versus tatsächlichem Rückgang staatlicher Strukturen und kulturellen Angeboten, Herbst `89/ 17.Juni 1953 und Erwartungen an die Demokratie, Erfahrungen aus der Nachwendezeit, Flucht- Asyl- Zuwanderung, wie geht zivilgesellschaftliches Engagement

Projektträger: Bundesarbeitskreis ARBEIT UND LEBEN (BAK AL)
Umsetzung: ARBEIT UND LEBEN Mecklenburg-Vorpommern
ARBEIT UND LEBEN Sachsen
Laufzeit: 01.07.2017 - 30.06.2020
Förderung: Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

Bundesministerium für Familien, Frauen, Senioren und Jugend (BMFSFJ)

Programm: Demokratie leben!
Gefördert durch:
Projektträger:
Umsetzung:
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